Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über einige Artikel, die ich für die Taz Bremen in den Jahren 1999 und 2000 geschrieben habe.
Die Namenlosen von Wehnen
In der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wurden während der Nazi-Zeit 1.500 Patienten ermordet / Jetzt soll ein Mahnmal für die Opfer errichtet werden
Für Erwin Borchers war der Tischlersohn Werner Zeuch ein unangenehmer Störenfried in seiner Klasse. "Zeuch flötet während des Unterrichts, fängt Streit mit seinen Banknachbarn an und wird jähzornig, wenn er aus dem Schlaf geweckt wird", notierte sich der Lehrer. Außerdem stellte Borchers eine ausgeprägte Leseschwäche bei dem Elfjährigen fest. Da alle Ermahnungen nicht fruchteten, war der Fall für den Klassenlehrer klar: Der Junge war schwachsinnig und musste dringend in die ärztliche Untersuchung. >>
Skins holen Knüppel aus dem Sack
Sie greifen Punks an und schlagen in Lesben-Discos zu: In Oldenburg nehmen brutale Übergriffe aus der rechten Szene zu
So richtig wohl ist Todde nicht, wenn er den Stacheldraht vom Eingang entfernt. Auch hinter der Abzäunung bleibt der 36-jährige Punk auf dem schmalen Weg zum Containerplatz - dem Treffpunkt der Oldenburger Punk-Szene - auffällig vorsichtig: Nur keinen Mucks machen. Wer weiss, was weiter hinten auf einen wartet. >>
Absender: Braune Runde
Oldenburg hat ein Problem und will es nicht sehen: Die Idylle ist durch Aktivitäten von Neonazis gestört / Inzwischen formiert sich der Widerstand gegen rechte Gewalt
In kaum einer zweiten Gemeinde im Nordwesten ist der Identifizierungsgrad der Bürger mit ihrer Stadt so hoch wie in Oldenburg. Es gibt viel Grün, kaum Wohnungsnot und auch der Lebensstandard ist überdurchschnittlich hoch. Alles wäre in bester Ordnung, wenn die Idylle seit dem Kramermarkt im letzten Herbst nicht Risse bekommen hätte. >>
My passport please!
Ein Reisepass gerät in Oldenburg immer mehr zum Politikum / Stadt überprüft zurzeit die Herausgabe des Dokuments
Schon so manches Mal wurde der alte Reisepass von Günther Goldschmidt im Stadtmuseum auf Ausstellungen über das Leben der jüdischen Gemeinde präsentiert. Jetzt soll das historische Dokument seine letzte Reise antreten: nach Maryland / USA. Dort lebt der Sohn des in den 40er Jahren emigrierten Juden. >>
"Wenn mich einer beißt, beiß ich zurück!"
In Oldenburg trafen sich Punks und Skins zu einem Streitgespräch über die angespannte Lage zwischen den Fronten. Jens Fliege hat das Treffen für die taz protokolliert.
Das Taxi mit Marc und Thomas hält direkt vor der Jugendfreizeitstätte. Sichtlich nervös springen die zwei Punks aus dem Wagen. Wenig später haben sich ihre Nerven bei einem Tee etwas beruhigt. Noch hat niemand eine Vorstellung davon, wie das zu erwartende Streitgespräch verlaufen wird. Im Vorfeld hatte jede Seite Garantien abgegeben, Stillschweigen über den Gipfel zu bewahren. Zu viele gewalttätige Übergriffe in den letzten Wochen haben den Haß zwischen den Gruppen angeschürt. Als Sven und Kai in ihren Stiefeln die Treppe hoch poltern, ist die Situation wieder angespannt. Gesenkte Köpfe, hastig ausgedrückte Zigaretten. Das Gespräch kann beginnen. >>
